Das Arbeitszeugnis: Was muss es enthalten?

Arbeitszeugnisse sind formelle Bescheinigungen Ihrer Berufs­erfahrungen. Studenten unterlassen es oft, für kurze Jobs während des Studiums Zeugnisse zu verlangen. Das ist ein Feh­ler, denn diese können bei der Suche nach einer ersten festen Anstellung sehr nützlich sein.  

Der Ausbildungsweg ist beim Karrierestart zwar ausschlag­gebend, doch auch Studentenjobs sind wichtig, denn sie beweisen, dass Sie schon etwas Erfahrung in der Berufswelt gesammelt haben. Nach einigen Jahren verlieren diese ersten Arbeitszeugnisse an Wichtigkeit zugunsten derjenigen, die Ihren Karrierestart in einem „echten” Job dokumentieren.

Im Normalfall sind einem Unternehmen die Bewerber für einen Posten unbekannt. Die ­Arbeitszeugnisse, die dem Lebenslauf beigelegt sind, geben ­einen ersten Eindruck vom beruflichen Profil dieser Personen. Hier liegt der Sinn der Arbeitszeugnisse: Dieser erste Eindruck, den man aus den Bewerbungsunterlagen gewinnt, wird dem Unternehmen eine zielgerechte erste Auswahl erlauben, um nur die interessantesten Bewerber zu einem Gespräch einzuladen.

Nach Artikel 330a des Obligationenrechts ist das Zeugnis vollständig, wenn es über die Art und Dauer des Arbeits­verhältnisses, über Ihre Leistungen und Ihr Verhalten Auskunft gibt. Wenn Sie es verlangen – und nur in diesem Fall – kann sich das Zeugnis auf die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses beschränken.

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, spätestens im Monat nach der Beendigung des Arbeitsvertrags ein Zeugnis auszu­stellen. Wenn er das nicht tut, kann es zu Sanktionen kommen, wenn der Ange­stellte sich beim Arbeitsgericht beschwert. Ein ­Zwischenzeugnis kann jederzeit während eines Arbeits­verhältnisses verlangt ­werden (z. B. im Fall eines Funktions- oder Chefwechsels).

 


Nachfolgend finden Sie eine kurze Auflistung dessen, was ein Arbeitszeugnis enthalten muss: Es muss auf Papier mit Briefkopf und Logo (falls vorhanden) des Arbeitgebers ausgestellt werden. Mindestangaben sind Firmenname und Name und Vorname einer oder zweier Personen, die das Unternehmen rechtlich vertreten können. In der Praxis ­enthält ein Zeugnis mindestens folgende Punkte:

  1. Name, Vorname und Geburtsdatum des Arbeit­nehmers; Anfangs- und Enddatum des Arbeitsverhältnisses (ausser im Fall eines Zwischenzeugnisses); Posten, für den Sie ein­gestellt wurden.
  2. Deskriptiver Abschnitt: systematische, zusammen­fassende Aufzählung der wichtigsten Tätigkeiten und Verant­wortlichkeiten des Angestellten. Möglicher­weise eingetretene Änderungen des Aufgabenfeldes werden in diesem Ab­schnitt kurz angeführt.
  3. Einschätzung der Qualität Ihrer Leistungen: Dies ist ein heikler Punkt, da Personalleiter darauf besonders ihre Aufmerksamkeit richten. Die Evaluierung sollte möglichst ­objektiv sein, doch als persönliche Meinung hat sie zwingend eine subjektive Komponente.
  4. Die Meinung Ihres Arbeitgebers über Ihr allgemeines Verhalten im Unternehmen, die Qualität Ihrer Kontakte mit Kollegen und Vorgesetzten bzw. mit Kunden oder anderen Geschäftspartnern ist ein weiterer heikler Punkt. Wie im vorigen Bereich kann auch hier die Objektivität nur relativ gewährt werden.
  5. Ein wichtiger, oft vernachlässigter Punkt: Hier wird angegeben, ob Sie die Firma auf eigenen Wunsch verlassen haben, oder ob Sie entlassen wurden. In diesen Abschnitt gehört auch die Angabe, dass Sie gegenüber Ihrem früheren Arbeitgeber keine Verpflichtungen mehr haben, in Bezug auf mögliche Betriebsgeheimnisse oder andere vertrauliche Informationen jedoch an die Schweigepflicht gebunden sind.
  6. Unterschrift von zumindest einer (meistens zwei) ­Personen, die die Firma rechtlich vertreten. Wenn das nicht der Fall ist, ist der Inhalt nicht für das Unternehmen bindend, sondern nur für die Personen, die unterschrieben haben; es ist also nur als ein Referenzschreiben zu betrachten. Ort und Verfassungsdatum sind obligatorisch (nicht das Datum vom Ende des Arbeitsverhältnisses, falls beide Daten nicht über­einstimmen). Aus rechtlicher Sicht muss das Arbeitszeugnis die Wahrheit  über die Dauer des Arbeitsverhältnisses, die Art der Arbeit und Evaluierungen angeben.

Der Unterschied zwischen einem „guten” und einem „schlechten” Arbeitszeugnis wird vor allem aus den drei letzten Abschnitten abgeleitet.